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Erfolgreich laden und wiederladen: Tipps & Tricks vom Profi

Das Wiederladen oder Handladen steigert die Treffgenauigkeit Ihrer Waffe und senkt die Munitionskosten. Sie variieren Geschossgewicht und Ladungsstärke solange, bis Sie mit der fertigen Patrone bestmögliche Schussgruppen erzielen. Die folgenden Tipps unserer Spezialisten bieten Ihnen Anregungen für diese anspruchsvolle Tätigkeit.

H&N Sport übernimmt keine Haftung für die folgenden Informationen und Ladedaten und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich und auf eigenes Risiko.

Tipps und Tricks zum Wiederladen

Vorteile des Wiederladens

Vorteile des Wiederladens

Der ambitionierte Wiederlader lädt nicht allein aus Kostengründen. Tatsächlich gibt es einige Kaliber, wie z.B. 9mm Para oder .308 Win., deren fertige Munitionspreise durch Massenfertigung (meist mil. Fertigung) durchaus günstig sind. Bei diesen Geschossen handelt es sich jedoch oftmals um (am Geschossboden offene) Vollmantelgeschosse mit tombakplattierten Weicheisenmänteln. Gerade dieses Mantelmaterial greift aber den Lauf an, ebenso die teilweise noch enthaltenen nicht-rostfreien Zünder. Auch das Pulver der älteren Chargen hat meist ein aggressiveres Abbrandverhalten.

Diese Faktoren können Sie bei entsprechender Komponentenauswahl vermeiden. Gleichzeitig können Sie eine Patrone bzw. deren Laborierung perfekt auf Ihre Waffe abstimmen – für maximale Präzision. Dazu gehört auch die Herstellung von Patronen, die beispielsweise andere Geschossgewichte oder -geschwindigkeiten aufweisen als Fabrikmunition, um bestimmte geforderte Impulse zu erreichen. Ebenso können Sie Munition fertigen, deren Geschossgeschwindigkeit sich im Unterschallbereich bewegt, was ein wesentlich ruhigeres und leiseres Schießen ermöglicht.

In den meisten Fällen kann man durch sinnvolles und fachgerechtes Wiederladen günstige und bessere Munition fertigen – und dadurch die eigene Leistung steigern.
 
 

Das Wiederladen von Büchsengeschossen

Das Wiederladen von Büchsengeschossen

Um eine möglichst hohe Präzision zu erzielen, beachten Sie beim Wiederladen von Büchsengeschossen – anders als bei Mantelgeschossen – bitte folgendes: Bei Kalibern mit zylindrischen Hülsen muss eventuell ein neuer Aufweiter beschafft werden. Dieser soll die Hülse gerade so aufweiten, dass das Geschoss nicht mit dem Finger eingedrückt werden kann. Dies verhindert ein Deformieren/Herunterkalibrieren des Geschosses. Grundsätzlich wird nur so tief aufgeweitet, wie das Geschoss später gesetzt werden soll.

Richtig wiederladen – so geht’s:

  • Verwenden Sie gebrauchte Hülsen, möglichst eines Fertigungsloses
  • Rekalibrieren Sie die Hülsen mittels Hülsenhalskalibriermatrize
  • Entgraten Sie die Innenseite des Hülsenmundes
  • Setzen Sie das Zündhütchen ein
  • Füllen Sie das Pulver ein
  • Setzen Sie das Geschoss gleichmäßig ein
  • Passen Sie die Patronenlänge an die Waffe an


Ladung
Eventuell ist eine Anpassung der Ladung an die eigene Waffe erforderlich. Nehmen Sie dabei Ladungsabstufungen in 0,5-Grain-Schritten vor.
 
 

Das Wiederladen von Vorderladern

Das Wiederladen von Vorderladern

Das Geschoss muss auf der Ladung aufsitzen, sonst kommt es zu einem ungleichmäßigen oder gar gefährlichen Pulverabbrand. Bei Revolvern sollte der Hohlraum zwischen Ladung und der mit der Trommelstirnseite abschließenden Kugel mit einem Zwischenmittel ausgefüllt werden. Hierzu eignet sich am besten Hartweizengrieß, der in einem separaten Behältnis mitgeführt wird. Das Fetten der gesetzten Kugeln sollte auch hier nicht vergessen werden.

Formel für eine mittlere Gebrauchsladung für VL-Kurzwaffen:
0,1 Gramm Schwarzpulver pro mm Laufdurchmesser
Beispiel: Laufkaliber .45 (mal 25,4) ist gleich 11,43 mm Durchmesser,
11,43 mal 0,1 ergibt 1,143 Gramm bzw. 17,64 Grains Ladung.

Formel für eine mittlere Gebrauchsladung für VL-Langwaffen:
0,25 Gramm Schwarzpulver pro mm Laufdurchmesser
Beispiel: Laufkaliber .45 (mal 25,4) ist gleich 11,43 mm Durchmesser,
11,43 mal 0,25 ergibt 2,857 Gramm bzw. 44,09 Grains Ladung.
(Bei glattläufigen Waffen lautet die Formel „Laufdurchmesser in mm mal 0,3“ ergibt Gramm Pulver)

Wichtige Hinweise:
Verschießen Sie niemals Nitropulver aus nur für Schwarzpulver geeigneten Waffen. Auch mit Schwarzpulver sind gefährliche Überladungen möglich! Transportieren Sie Pulver immer einzeln abgewogen in verschließbaren Röhrchen. Das direkte Einfüllen aus Pulverflaschen oder Ähnlichem ist verboten!
 
 

Empfohlene Pulversorten für High Speed-Geschosse

Empfohlene Pulversorten für High Speed-Geschosse

Stehen zwei unterschiedlich schnelle Pulver zur Disposition, wählen Sie nach Möglichkeit das progressivere Pulver. Versuche haben gezeigt, dass bei Scheibenladungen im Kaliber .45 ACP das bekannte Vihtavuori N310 schlechtere Ergebnisse brachte als das langsamere N320. Dieser Effekt hängt mit der Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses vor der Drallaufnahme zusammen. Ist diese Geschwindigkeit zu hoch (bei offensiven Pulvern), wird das Geschoss vermutlich deformiert, wenn es den Drall aufnehmen muss. Dadurch kommt es zu verminderter Präzision.
 
 

Die Notwendigkeit unterschiedlicher Geschossdurchmesser

Die Notwendigkeit unterschiedlicher Geschossdurchmesser

Die Läufe der verschiedenen Waffenhersteller und ihre Abmessungen unterscheiden sich deutlich. So sind beispielsweise die 9mm-Para-Läufe der (europäischen) Hersteller SIG (Sauer), Beretta und CZ weiter (Dia. .357) als Läufe amerikanischer Hersteller. Messen Sie im Zweifelsfall den Lauf aus und wählen Sie ein Geschoss, das 0,02 bis 0,03 mm größer ist als das gemessene Zugkaliber.
 
 

Differenz Durchmesser HS-Geschoss von Verpackungsangabe

Differenz Durchmesser HS-Geschoss von Verpackungsangabe

Die Durchmesser von High-Speed-Geschossen weisen einen größeren Durchmesser auf als auf der Packung angegeben. Der Grund hierfür ist einfach: Der "Enddiameter" der Geschosse wird mit der Kupferschicht erreicht, die Kunststoffschicht als "nichttragendes Element" kommt hinzu und wird nicht mit eingerechnet. Zudem sollte der Geschossdurchmesser nicht am Geschossboden, sondern in der Mitte der Führungsfläche gemessen werden.
 
 

Empfehlungen zum Crimp

Empfehlungen zum Crimp

A) Crimpen von Kurzwaffengeschossen
Der Crimp hat einen wesentlichen Einfluss auf Pulverabbrand und Geschossgeschwindigkeit – und damit auch auf die Präzision und Ihre Schussleistung

Voraussetzungen für einen guten Crimp:

  • Gleiche Länge der Patronenhülsen
  • Gleicher Hersteller, am besten gleiches Fertigungslos
  • Saubere, aufgeweitete und entgratete Hülsen
  • An die Geschossform angepasster Setzstempel


Um das Geschoss nicht zu beschädigen, sollten sämtliche Crimps als zusätzlicher (vierter) Arbeitsgang nach dem Setzen durchgeführt werden.


Um die PDF-Datei zu öffnen bitte die Grafik anklicken.
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B) Taper-Crimp bei harten .44er-Ladungen
Bei harten .44er-Ladungen und dem empfohlenen Taper-Crimp zieht es häufig die Geschosse der in der Trommel verbliebenen Patronen heraus. Wie im Lieferprogramm beschrieben, sollten Sie in einem solchen Fall auf eine "Factory-Crimp"-Matrize zurückgreifen. Damit können Sie, je nach Einstellung, zwischen Friction-Crimp bis zum Rollcrimp wählen. In der Einstellung "Rollcrimp" wird in das Geschoss eine gleichmäßige Crimprille gepresst und gleichzeitig der Hülsenmund hineingebördelt. Nur dadurch ist auch ein gleichmäßiger Ausziehwiderstand und damit Pulverabbrand zu erwarten.

H&N bietet zudem High Speed Geschosse mit Crimprille an, die auch mit Standard-Rollcrimpmatrizen verladen werden können. Diese Geschosse sind besonders für Unterhebelrepetierer und Revolver in den Kalibern .44/40, .44 Magnum und .45 Long Colt vorgesehen.

 
 

Füllmittel für reduzierte Büchsenladungen

Füllmittel für reduzierte Büchsenladungen

Die Handhabung von Fillern ist sehr unterschiedlich. Wir haben bei keinem unserer Tests Füllmittel verwendet, weshalb wir an dieser Stelle auch keine empfehlen möchten.

 
 

Pulver für reduzierte Büchsenladungen

Pulver für reduzierte Büchsenladungen

Für reduzierte Büchsenladungen können auch andere Pulver eingesetzt werden, beispielsweise mit der gleichen Abbrandcharakteristik. Verwenden Sie jedoch auf keinen Fall Kugel/Ball-Pulver, wie z.B. Hodgdon H110 oder PCL 512. Bei einer solchen Pulvercharakteristik und Unterladungen kann es zu Drucksprüngen kommen. Das Vihtavuori N110 hat sich als das für diesen Zweck am besten geeignete Pulver herausgestellt.

 
 

Mangelnde Präzision aus Revolvern

Mangelnde Präzision aus Revolvern

Mangelnde Präzision mit High-Speed-Geschossen aus Revolvern kann verschiedene Ursachen haben. Eine Möglichkeit ist ein zu großer rotationsloser Flug, also ein zu tief gesetztes Geschoss. Gerade bei S&W-Revolvern ist die Trommel sehr lang. Das hat zur Folge, dass z.B. .357er-Laborierungen mit einer Patronen-Gesamtlänge von ca. 40 mm in Verbindung mit einem offensiven Treibladungsmittel keine Präzision bringen. Die Geschwindigkeit der Geschosse ist schon zu hoch, bevor die Geschosse den Drall aufnehmen können (rotationsloser Geschossweg). Setzen Sie die Geschosse in einem solchen Fall auf eine Gesamtlänge von 41,5 mm. Dies gilt für alle Waffen. Auch Fehler an der Waffe können zu mangelnder Präzision führen, z.B. fehlerhaftes Timing, mangelhafte Trommelflucht, zu große/kleine Trommelbohrung oder eine beschädigte Mündung. Letztendlich kann ein fehlerhafter oder falscher Crimp zu unterschiedlichen Ausziehwiderständen führen und dadurch die Präzision negativ beeinflussen.

 
 

Empfohlene Geschossformen

Empfohlene Geschossformen

Interessanterweise ist nicht immer das Semi-Wadcutter das präziseste Geschoss, sondern das Rundkopf- oder das Kegelstumpf-Geschoss. Der Grund ist die empfindliche Stanzkante des SWC´s: diese kann leicht beschädigt werden und dadurch die Präzision beeinflussen. Das Ganze hängt aber auch von der jeweiligen Waffe und dem Geschwindigkeitsbereich der Laborierung ab.

 
 

Beschädigung von Waffen

Beschädigung von Waffen

Verkupferte H&N Geschosse können Läufe nicht beschädigen oder ausschießen. Unsere Bleilegierung ist genau auf diesen Anwendungsbereich abgestimmt. Eine Beschädigung des Laufes kann nur erfolgen, wenn der Bleikern sehr hart und unnachgiebig ist. Dies ist z.B. bei gegossenen Geschossen und der entsprechenden Legierung der Fall. Zudem fungiert die Kunststoffschicht als Gleitschicht und die Ablagerungen im Lauf sind ebenfalls minimal.

 
 

Uneingeschränkte Verwendbarkeit von HS-Geschosse auf Schießständen

Uneingeschränkte Verwendbarkeit von HS-Geschosse auf Schießständen

High-Speed-Geschosse sind keine Mantelgeschosse! Deshalb können sie auch auf Schießständen verwendet werden, auf denen die Verwendung von Mantelgeschossen verboten ist. Der (galvanische) Kupferüberzug liegt in der Dicke bei ca. 0,08 mm – im Gegensatz zu Mantelgeschossen, deren Geschossmantel je nach Hersteller bis über 0,2 mm stark ist. Zudem bauen die HS-Geschosse durch Ihre leichte Verformbarkeit die Energie leichter ab, wenn sie in ein Auffangbehältnis treffen. Auch das Splitterverhalten beim Auftreffen auf Stahlklappziele (z.B. IPSC) ist weitaus geringer als das von Mantelgeschossen. Sollte Ihr Schießstandbetreiber diese Erklärung nicht akzeptieren, drucken Sie sich unser DEVA-Gutachten zur Einstufung verkupferter High-Speed-Geschosse aus.

 

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